praeludio's posterous

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Matthias Meiners  //  Die Klavierstimmerei Praeludio ist in Bayern der überregionale Ansprechpartner für Klavierspieler. Hier finden Sie kompakte Informationen!

Dec 8 / 1:30am

Wege aus der Krise

Der deutsche Klavierbau bietet seinen Kunden etwas. Zu diesem Eindruck kommt man, wenn man als Klavierspieler von den „Steinway-Tagen“ an deutschen Musikhochschulen hört. Denn dort wird einem mehr als nur ein Klavierkonzert geboten. Das wird so ausdrücklich von der Firma Steinway als Veranstalter hervorgehoben. Am Beispiel des von Steinway genehmigten Nachbaus des berühmten ersten Flügels von Heinrich Engelhard Steinweg aus dem Jahr 1936, dem Flügel Nr. 1, bekommt man Vergleichsmöglichkeiten geboten. Der Vertreter des Premiumherstellers ist zu Recht stolz auf das Erbe. Der hohe Respekt gegenüber dem 1851 in die USA emigrierten und dort erfolgreich integrierten Henry E. Steinway drückt sich in dem geringen Grad der Veränderung aus, den die heutigen Instrumente im Vergleich zu den Ausgangsmodellen erfahren haben.

Tatsächlich befindet sich die Klavierkonstruktion im Wesentlichen auf dem Entwicklungsstand von 1870. Das zeigt beeindruckend, mit welchem Elan die Meister des Klavierbaus wie Thürmer, Steinweg, Blüthner, Seiler, Zimmermann, Feurich, Bechstein, Pfeiffer, Förster, etc. Mitte 1800 das Pianoforte entwickelt haben. Aufgrund der hohen Qualität dieser Instrumente werden heute noch zahlreiche Klaviere ohne Reparaturen und Generalüberholungen gespielt, die älter als 100 Jahre sind!

Der Klavierbau erlebte seine Hochzeit mit der Industrialisierung des beginnenden 20. Jahrhunderts. Bereits Anfang 1900 war das Klavier ein Produkt der Massenproduktion, denn das Piano war ein Bestseller. Steinway ist dank seines aktiven Marketings zum Premiumhersteller von Flügeln avanciert. Doch was hat Steinway heute eigentlich noch mit dem Familienbetrieb zu tun, der einst aus Deutschland nach USA ausgewandert ist?

Wie so häufig bei Familienunternehmen teilten sich die Söhne die Geschäftsbereiche nach ihren Talenten auf. William galt als Marketing-Genie, der die Steinway-Hall als Konzertsaal und somit einen Vorgriff auf den erlebnisorientierten Verkauf gründete. Ferner rief er die Concert & Artist-Abteilung ins Leben. Teil dieser Maßnahme sind z.B. die bereits angesprochenen Steinway-Tage an deutschen Hochschulen, über die man den akademischen Nachwuchs auf die eigenen Produkte aufmerksam macht. William dachte bereits global, als er in Hamburg eine zweite Produktionsstätte bauen lies, um den europäischen Markt besser bedienen zu können. Mit diesem Standort konnte man sich gegenüber der Konkurrenz aus Deutschland besser durchsetzen als aus dem fernen Amerika, was offensichtlich überaus gut gelungen ist. Sein Bruder Theodore war dagegen der Klavierbauer, der sich damals zum Beispiel um den Rat des Physikers Hermann von Helmholtz bemühte, um die Produktpalette zu optimieren.

Doch bereits 1960 versäumte man es, in die eigenen Produktionsstätten zu investieren. Folglich konnte man nicht mehr mit ausreichendem Gewinn produzieren. Es kam zum Verkauf der Firma. 1995 fusionierte Steinway & Sons unter Führung einer Holdinggesellschaft mit The Selmer Company zum größten Musikinstrumentenhersteller in USA. The Selmer Company besitzt die Namensrechte aller ehemals traditioneller amerikanischer Hersteller von Blech- und Holzblasinstrumenten. Seit 1996 wird die neue Firma an der New Yorker Börse unter „Ludwig van Beethoven“ (LVB) geführt.

Wenn man sich nun einmal die Informationen der New Yorker Börse über LVB ansieht, dann findet man schnell einen Analystenvergleich zwischen Steinway, Kawai, Kimball und Yamaha. Die beiden japanischen Produzenten Kawai und Yamaha sind sicherlich weitgehend bekannt. Aber wer ist Kimball? Kimball ist ein amerikanisches Unternehmen, das von 1966 bis 2002 Eigentümer von Bösendorfer und verantwortlich für schlechtere Qualität sowie gleichzeitig für die gestiegenen Preisen bei dem Klavierbauer aus Österreich war.

Die Quelle an der New Yorker Börse verrät ferner, dass der koreanische Konzern Samick einer der wichtigsten Anteilseigner bei Steinway ist. Samick wurde in Deutschland von Bechstein werbewirksam als vorübergehender Inhaber der Aktienmehrheit eingeführt, bevor sich Bechstein eines besseren besann und Aktien zurückgekauft hat. Samick wurde kurz darauf zum Retter für Seiler, die zum Teil wie Bösendorfer von den zusammenbrechenden Märkten in Osteuropa betroffen waren. Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass der Konzern aus Korea Steinway übernehmen will.

Die Firma Steinway & Sons wurde 1853 in USA gegründet und ist somit von Anfang an lediglich ein amerikanisches Unternehmen mit deutschen Wurzeln gewesen. Mir stellt sich bei der Gelegenheit die Frage, warum nicht die deutschen Klavierhersteller durch die Musikhochschulen unseres Landes touren, um den akademischen Nachwuchs aktiv zu umwerben? Wie wollen die deutschen Klavierbauer aus der Krise kommen, wenn sie nicht einmal imstande sind, erfolgreiche Konzepte zu übernehmen?