praeludio's posterous

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Matthias Meiners  //  Die Klavierstimmerei Praeludio ist in Bayern der überregionale Ansprechpartner für Klavierspieler. Hier finden Sie kompakte Informationen!

Oct 23 / 4:22pm

Stimmbarkeit

Eine gern gestellte Frage von Klavierbesitzern an den Klavierservice lautet: In welchen zeitlichen Abständen soll man ein Klavier stimmen lassen? Häufig sind die Klavierspieler dann entsetzt, wenn man ihnen anschaulich erläutert, warum sich ein Klavier im Jahresrhythmus aufgrund der Schwankungen der Luftfeuchtigkeit verstimmen kann.

Eine so gut wie nie gestellte Frage lautet dagegen: Ist meine Piano eigentlich gut zu stimmen? Diese Frage schwäche ich gerne ab, indem ich sie folgendermaßen formuliere: Sind alle Klaviere gleich gut zu stimmen? Natürlich sind nicht alle Klaviere gleich gut stimmen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Stimmbarkeit scheinbar für die meisten Klavierhersteller kein Thema war. Und es begründet sich auf der Tatsache, dass man auch im Klavierbau seit längerem versucht, die Gewinnspanne durch Einsparungen und somit zu Lasten der Qualität zu optimieren. Das hört man zum Beispiel am mittlerweile veränderten Klang der Pianos.

Von manchen Klaviermarken ist zumindest unter Klavierstimmern allgemein bekannt, dass diese schwer bzw. schlecht zu stimmen sind. Ibach (Einstellung der Produktion 2007) war zum Beispiel ein solcher Hersteller aus Deutschland, dessen Instrumente aufgrund mehrerer Faktoren lediglich suboptimal zu stimmen sind. Vor einigen Tagen habe ich jedoch ein Ibach-Klavier gestimmt, das sehr gut zu stimmen war! Auf dem linken Zierbacken war eine Plakette mit dem Hinweis angebracht, dass das Klavier über eine Renner-Action verfügt. Die Seriennummer K04974 verriet darüber hinaus, dass dies schon kein Instrument mehr aus deutscher Produktion war. Offensichtlich handelt es sich bereits um ein Piano, das man im Fremdauftrag vermutlich in Korea produzieren ließ. Aus deutscher Sicht ist es genau genommen unglaublich, dass ausgerechnet solch ein Klavier im Gegensatz zu den Produkten aus Deutschland gut zu stimmen ist.

Nun die Stimmbarkeit ist zwar offiziell kein Thema. Aber vermutlich war die mangelnde Stimmbarkeit schon früher öfters ein Grund dafür, warum Marken vom Markt verschwunden sind. So geschah es zuletzt auch mit der Firma Seiler aus Kitzingen. Scheinbar war die Zahlungsunfähigkeit des Klavierproduzenten auf den Zusammenbruch der Märkte in Osteuropa zurückzuführen. Doch in Wahrheit wurden die Produkte der Firma Seiler von den Händlern fallen gelassen, da sich der Hersteller aus Unterfranken weigerte, die Hinweise zu den Problemen mit der Stimmbarkeit seiner Instrumente zur Kenntnis zu nehmen und abzustellen.

Wie weitgehend bekannt ist, ging Seiler daraufhin in die Insolvenz und wurde von dem koreanischen Konzern Samick übernommen, der unter anderem auch Klaviere baut. Nach einer Phase des Übergangs hat Samick verschiedene Führungspositionen bei Seiler neu besetzt. Eines der besonderen Ergebnisse des Führungswechsels ist, dass die Pianos von Seiler zukünftig ausschließlich von autorisierten Seiler-Fachleuten betreut werden sollen. Dieses Modell ist dem neuen Vertriebs- und Marketingleiter bestens bekannt, da er es vorher als Leiter des Steinway-Hauses in Düsseldorf kennen gelernt hat. Steinway praktiziert dieses Service-Modell seit Jahren. Eine der Erfolgsnachrichten dieses Konzepts berichten Führungskräfte von Steinway gerne vertraulich: Steinway kann lediglich mit neuen Hammerköpfen einen höheren Gewinn verbuchen als der Mitbewerber Bechstein mit dem Verkauf seiner Klaviere und Flügel! Aus welchem Grund ausgerechnet die Premium-Marke Steinway einen derart hohen Verschleiß an Hammerköpfen aufweist, bleibt ein wohl gehütetes Geheimnis des autorisierten Steinway-Service.

Warum greift nun Samick für Seiler auf dieses Service-Konzept zurück? Möglicherweise da sich auch unter der neuen Führung nichts an den Ursachen der schlechten Stimmbarkeit geändert hat. Anstatt diese Fehler in der Produktion abzustellen, wählt man den Weg, das Problem mittels eines vergleichsweise kleinen Kreises an autorisierten Seiler-Fachleuten nicht nach außen dringen zu lassen. Tatsächlich spielen aber auch heute noch die meisten Menschen Klavier, um sich zu harmonisieren. Gute Stimmung ist die Voraussetzung für Harmonie und Entspannung. Wie aber soll Harmonie gelingen, wenn das Piano nicht optimal zu stimmen ist?

 

Jan 2 / 11:21pm

Die Wohlfühlstimmung

Beim Kundendienst für Klavierspieler tauchen immer wieder die folgenden Fragen auf:

  • Wie kann man eine gleichsam harmonisierende wie emotionalisierende Stimmung bei Spielern und ihren Zuhörern erreichen?
  • Genügt es, sich auf die Technik des Klavierstimmens zu konzentrieren?
  • Oder muss ich vielmehr wissen, wodurch eine Wohlfühlstimmung ausgelöst wird?

Die Beschreibung und Einordnung der Kriterien der Klavierstimmung bieten eine gute Orientierung. Es sind erste Schritte auf dem Weg zum Ziel. Das Ziel ist die Wirkung der Musik. Die einzelnen Aspekte der Musik erzeugen Emergenz.

Ähnlich ist es bei der Klavierstimmung. Das hohe Ziel der Wirkung einer Wohlfühlstimmung kann nur erreicht werden, wenn man über die einzelnen Kriterien hinaus den Zusammenhang sieht. Das Wohlgefühl wird nicht nur durch Störungsfreiheit sondern darüber hinaus durch ein Übererfüllen der Erwartungen sowie durch die Emergenz aus verschiedenen Komponenten erreicht. Wohlklang und Spielart sind zusätzlich zur Art und Präzision der Stimmung wesentliche Fortschritte unserer Musikkultur:

  • Die aktuelle Gleichtemperierte Stimmung konnte sich dank der verbesserten Stimmbarkeit der Klaviere sowie der exakteren Stimmtechnik Ende des 19. Jahrhunderts durchsetzen.
  • Der heute selbstverständliche Wohlklang des Pianos entstand 1826 durch ein Patent von Henri Pape, das es ermöglichte, Filz über die Holzkerne der Klavierhämmer zu spannen, die bis dahin noch beledert waren.
  • Die Spielart wurde durch die Repetitionsmechanik von Sebastian Erard 1823 auf eine technisch ausgezeichnete Basis gestellt. Zu dieser Zeit musste der Vater von Clara Schumann, der Ehefrau des Komponisten Robert Schumann, die Konzertflügel vor Ort nicht nur stimmen sondern teilweise auch noch reparieren, da die Spieltechnik der Klaviere in einem hohen Maß fehleranfällig war. Diese Problematik führte dazu, dass man mit einen eigenen Flügel auf Konzertreise ging. Und als Clara Schumann von Erard ein Tafelklavier mit der damals neuen Klaviermechanik bekam, war das für die renommierte Pianistin ein großer Fortschritt.
  • Im Rahmen eines Klavierkonzerts das Repertoire auswendig zu spielen, war eines der bemerkenswerten Markenzeichen der Pianistin Clara Schumann, das sie 1832 erfolgreich eingeführt hat. In dem Zusammenhang ist interessant, dass es auch das Jahr 1832 war, als Clara Schumann das Tafelklavier mit der Repetitionsmechanik von Sebastian Erard bekam! Offensichtlich erleichterte die nunmehr einwandfreie Spieltechnik ihre Arbeit erheblich. Die frei gewordenen Ressourcen ermöglichten die zu ihrer Zeit neue Leistung, selbst anspruchsvolle und umfangreiche Werke vor Publikum auswendig zu spielen.

Störungsfreiheit und Übererfüllen der Erwartung sind die Schlüssel zu der erwünschten Wirkung einer Wohlfühlstimmung. Störungsfreiheit ist insofern von Bedeutung, da wir Menschen auf Ökonomie angelegt sind. Ein wesentlicher Aspekt der Ökonomie besteht darin, dass alle wirklich wichtigen Abläufe ohne das Einschalten unseres Bewusstseins funktionieren. Auch die Wirkung von Musik ist nur dann optimal, wenn unser Unterbewusstsein in aller Ruhe die Wirkung der Musik entfalten kann. Sie haben richtig gelesen: In uns wird Musik entpackt. Schwingungen lösen Phantasien, Träume, Erinnerungen und Gefühle aus. Der Musiker verpackt die Komposition durch seine Interpretation. Die einzelnen Musikinstrumente verpacken Töne in unterschiedliche Klänge. Die musikalische Wahrnehmung erfordert weder Aufmerksamkeit noch Bewusstsein. Das lässt sich ganz einfach beweisen, wenn man sich verdeutlicht, dass das Hören ein Sinn ist, der 24 Stunden online ist. Zu viele und zu laute Höreindrücke erzeugen daher Stress. Umgekehrt kann man den Hörsinn nutzen, um sich in Verbindung mit Wohlklang zu harmonisieren.

Ein anderer Ausdruck der ökonomischen Organisation des Menschen ist unser starkes Bedürfnis nach Orientierung. Sich in der Vielfalt der Welt zurecht zu finden, bedarf einer guten Orientierung. Das lernen wir schon als Kind, wenn wir Informationen strukturieren und kategorisieren, um so die Menge der Daten zu reduzieren. Ein in dem Zusammenhang interessanter körperlicher Aspekt ist zum Beispiel die Händigkeit. Bereits frühzeitig entwickeln wir die Bevorzugung einer Hand, die in der Folge häufiger eingesetzt und somit besser trainiert wird. Die Grundlage für diese Entwicklung ist unser Bedürfnis, unsere Handlungsfähigkeit zu optimieren. Wenn wir alles mit beiden Händen gleich gut könnten, dann müssten wir bei jeder Gelegenheit neu entscheiden, mit welcher Hand wir aktiv werden. Entscheidungen erfordern Bewusstsein. Da unser Gehirn aber mit 2 Prozent der Körpermasse 20 Prozent der Gesamtenergie verbraucht, haben wir das dringende Bedürfnis, an dieser Stelle Energie zu sparen. Der Hirnforscher Gerhard Roth beschrieb die energetische Situation unseres Gehirns mit den Worten, dass wir uns ständig am Rande der Bewusstlosigkeit befinden würden.

Gefühle haben die Funktion, Erfahrungen zu bewerten, um diese Erlebnisse in Zukunft zu wiederholen oder zu vermeiden. Der Maßstab dieser Bewertung ist unser Wohlbefinden. Die Verbindung des Erlebten mit Gefühlen spart kognitive Kapazität. Denn in Zukunft muss ich nicht erst überlegen, sondern kann meinem Gefühl vertrauen. In dem Zusammenhang taucht die so genannte Hör-Lust auf. Das Hören wird zur Lust, wenn das Gehörte mit dem übereinstimmt, was wir erwarten. Umgekehrt wird das Gehörte zur Last, wenn ich zusätzlich zu meiner Erwartung das Gehörte zurecht hören muss, da es z.B. aufgrund

  • der Verstimmung des einzelnen Tons,
  • der Verstimmung des ganzen Instruments oder
  • einer ungleichmäßigen Intonation innerhalb der Tonreihe

meine Aufmerksamkeit erregt und somit das Unterbewusstsein bei der wohltuenden Wirkung der Musik stört. Die zusätzliche Aktivierung des Bewusstseins wird vom Limbischen System als dem Sitz unserer Gefühle negativ bewertet. Denn zum einen ist es ein unökonomischer Mehraufwand und zum anderen verhindert das Einschalten des Bewusstseins die erhoffte Wirkung der Musik. Denn aufgrund unserer gemeinsamen Überlegungen wissen wir inzwischen, dass die musikalischen Schwingungen, Akzentuierungen und Rhythmen ähnlich wie im Schlaf in uns Sequenzen aus erlebten Eindrücken in Gang setzen, die wir letztlich als Harmonisierung empfinden.

Dec 8 / 1:30am

Wege aus der Krise

Der deutsche Klavierbau bietet seinen Kunden etwas. Zu diesem Eindruck kommt man, wenn man als Klavierspieler von den „Steinway-Tagen“ an deutschen Musikhochschulen hört. Denn dort wird einem mehr als nur ein Klavierkonzert geboten. Das wird so ausdrücklich von der Firma Steinway als Veranstalter hervorgehoben. Am Beispiel des von Steinway genehmigten Nachbaus des berühmten ersten Flügels von Heinrich Engelhard Steinweg aus dem Jahr 1936, dem Flügel Nr. 1, bekommt man Vergleichsmöglichkeiten geboten. Der Vertreter des Premiumherstellers ist zu Recht stolz auf das Erbe. Der hohe Respekt gegenüber dem 1851 in die USA emigrierten und dort erfolgreich integrierten Henry E. Steinway drückt sich in dem geringen Grad der Veränderung aus, den die heutigen Instrumente im Vergleich zu den Ausgangsmodellen erfahren haben.

Tatsächlich befindet sich die Klavierkonstruktion im Wesentlichen auf dem Entwicklungsstand von 1870. Das zeigt beeindruckend, mit welchem Elan die Meister des Klavierbaus wie Thürmer, Steinweg, Blüthner, Seiler, Zimmermann, Feurich, Bechstein, Pfeiffer, Förster, etc. Mitte 1800 das Pianoforte entwickelt haben. Aufgrund der hohen Qualität dieser Instrumente werden heute noch zahlreiche Klaviere ohne Reparaturen und Generalüberholungen gespielt, die älter als 100 Jahre sind!

Der Klavierbau erlebte seine Hochzeit mit der Industrialisierung des beginnenden 20. Jahrhunderts. Bereits Anfang 1900 war das Klavier ein Produkt der Massenproduktion, denn das Piano war ein Bestseller. Steinway ist dank seines aktiven Marketings zum Premiumhersteller von Flügeln avanciert. Doch was hat Steinway heute eigentlich noch mit dem Familienbetrieb zu tun, der einst aus Deutschland nach USA ausgewandert ist?

Wie so häufig bei Familienunternehmen teilten sich die Söhne die Geschäftsbereiche nach ihren Talenten auf. William galt als Marketing-Genie, der die Steinway-Hall als Konzertsaal und somit einen Vorgriff auf den erlebnisorientierten Verkauf gründete. Ferner rief er die Concert & Artist-Abteilung ins Leben. Teil dieser Maßnahme sind z.B. die bereits angesprochenen Steinway-Tage an deutschen Hochschulen, über die man den akademischen Nachwuchs auf die eigenen Produkte aufmerksam macht. William dachte bereits global, als er in Hamburg eine zweite Produktionsstätte bauen lies, um den europäischen Markt besser bedienen zu können. Mit diesem Standort konnte man sich gegenüber der Konkurrenz aus Deutschland besser durchsetzen als aus dem fernen Amerika, was offensichtlich überaus gut gelungen ist. Sein Bruder Theodore war dagegen der Klavierbauer, der sich damals zum Beispiel um den Rat des Physikers Hermann von Helmholtz bemühte, um die Produktpalette zu optimieren.

Doch bereits 1960 versäumte man es, in die eigenen Produktionsstätten zu investieren. Folglich konnte man nicht mehr mit ausreichendem Gewinn produzieren. Es kam zum Verkauf der Firma. 1995 fusionierte Steinway & Sons unter Führung einer Holdinggesellschaft mit The Selmer Company zum größten Musikinstrumentenhersteller in USA. The Selmer Company besitzt die Namensrechte aller ehemals traditioneller amerikanischer Hersteller von Blech- und Holzblasinstrumenten. Seit 1996 wird die neue Firma an der New Yorker Börse unter „Ludwig van Beethoven“ (LVB) geführt.

Wenn man sich nun einmal die Informationen der New Yorker Börse über LVB ansieht, dann findet man schnell einen Analystenvergleich zwischen Steinway, Kawai, Kimball und Yamaha. Die beiden japanischen Produzenten Kawai und Yamaha sind sicherlich weitgehend bekannt. Aber wer ist Kimball? Kimball ist ein amerikanisches Unternehmen, das von 1966 bis 2002 Eigentümer von Bösendorfer und verantwortlich für schlechtere Qualität sowie gleichzeitig für die gestiegenen Preisen bei dem Klavierbauer aus Österreich war.

Die Quelle an der New Yorker Börse verrät ferner, dass der koreanische Konzern Samick einer der wichtigsten Anteilseigner bei Steinway ist. Samick wurde in Deutschland von Bechstein werbewirksam als vorübergehender Inhaber der Aktienmehrheit eingeführt, bevor sich Bechstein eines besseren besann und Aktien zurückgekauft hat. Samick wurde kurz darauf zum Retter für Seiler, die zum Teil wie Bösendorfer von den zusammenbrechenden Märkten in Osteuropa betroffen waren. Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass der Konzern aus Korea Steinway übernehmen will.

Die Firma Steinway & Sons wurde 1853 in USA gegründet und ist somit von Anfang an lediglich ein amerikanisches Unternehmen mit deutschen Wurzeln gewesen. Mir stellt sich bei der Gelegenheit die Frage, warum nicht die deutschen Klavierhersteller durch die Musikhochschulen unseres Landes touren, um den akademischen Nachwuchs aktiv zu umwerben? Wie wollen die deutschen Klavierbauer aus der Krise kommen, wenn sie nicht einmal imstande sind, erfolgreiche Konzepte zu übernehmen?

Nov 19 / 11:03pm

Renner Inside

Sie spielen Klavier. Für welche Marke haben Sie sich beim Kauf entschieden? Wissen Sie eigentlich, von welchem Hersteller die Mechanik in Ihrem Instrument ist? Ach, Sie dachten die Spieltechnik wäre vom gleichen Klavierbauer? Das ist nur selten der Fall. Sehr häufig werden die Klaviatur sowie die Klaviermechanik extern angefertigt.

Die Spielart und der Klang zeichnen ein gutes Piano aus. Die Mechanik sowie der Klangkörper bilden somit die Herzstücke dieses Tasteninstruments. Vor allem die Klaviermechanik ist durch das Spielen einem natürlichen Verschleiß unterworfen. Hochwertige Mechaniken zeichnen sich daher mit ihrer Langlebigkeit sowie einer geringen Fehlerquote aus. Schon seit langer Zeit genießt die Firma Renner den Ruf eines exzellenten Herstellers von Klavier- und Flügelmechaniken.

Doch die Qualität zählt nicht mehr so viel, seit die Kunden dem Preis den Vorrang in der Werteskala eingeräumt haben. Der Preis wird durch Produkte aus Billiglohnländern gedrückt. Das scheint auf den ersten Blick merkwürdig, denn das Klavier ist ja selbst nicht gerade eine billige Anschaffung. Zugunsten der Gewinnmargen im Klavierbau verlieren qualitativ hochwertige Mechanikproduzenten durch den Preisdruck seitens der Klavierbauer nicht nur an Boden, sondern verfügen über gar keine Gelegenheit, den möglichen Mehrwert ihrer Produkte zu vermarkten. Denn sie werben damit nicht beim Endkunden, dem Klavierspieler. Die Nachfrage nach technischen Raffinessen wäre der Antreiber für Innovationen gewesen. Stattdessen reduziert sich nahezu die gesamte Werbung der Klavierbauer auf das Einblenden von Klaviermarken direkt am Instrument bei öffentlichkeitswirksamen Auftritten.

Dass eine solche Werbestrategie eines Teilelieferanten keine verrückte Idee ist, sondern äußerst erfolgreich sein kann, wissen wir heute alle aufgrund der Intel-Inside-Werbung. Intel hat es als Hersteller von Prozessoren für Computer aufgrund seiner Direktwerbung geschafft, dass heute nicht mehr die Computermarken ausschlaggebend sind, sondern die PCs und Macs über den Intel-Prozessor gekauft werden.

Eine ähnliche Strategie hätten die Hersteller von Klaviermechaniken auch fahren können, denn die ausdrucksstarke da gefühlvolle Spielart, das Gestalten eines wirkungsvollen Crescendos, feinste Differenzierungen der Lautstärke werden ebenso von einer guten Mechanik bestimmt wie die schnellstmögliche Repetition. Die Spieltechnik ist der Leistungsfaktor Nummer 1. Häufige Ausfälle einzelner Tasten oder gar Reparaturen an der Mechanik sind ein wesentlicher Störfaktor, der einem die Freude am Klavierspiel vermiesen kann. Ähnlich einem Prozessor im Computer hätten die Produzenten von Klaviermechaniken damit werben können, dass ihre Produkte die Garanten für Höchstleistung von Piano bis Forte sind.

Diese Gelegenheit haben die Mechanikhersteller versäumt. Daher bleibt ihnen heute genau genommen nur noch eine außergewöhnliche Offensive: Sie müssen selbst zum Klavierbauer werden! Denn wenn man sich die Historie betrachtet, dann war 1709 die ausschlaggebende Innovation die Erfindung der Hammermechanik, die dem Instrument seinen ersten Namen Hammerclavir gegeben hat. Mit anderen Worten: Die Produzenten von Klaviermechaniken sind längst die eigentlichen Klavierbauer.

Bis zu 3000.- Euro „Upgrade-Bonus“ bietet im Jahr 2010 ein innovativer Klavierbauer seinen Kunden an, wenn sie beim Kauf eines Instruments mit den neuesten Entwicklungen dafür das alte Piano in Zahlung geben. Ein so verlockendes Angebot zeugt eindrucksvoll von dem Selbstbewusstsein, das dieser Klavierproduzent aus dem fernen Japan aufgrund des Fortschritts seiner Instrumente besitzt. Gleichzeitig greift er mit dieser zwar wieder einmal kopierten jedoch nicht steuer- sondern eigenfinanzierten Marketingidee jene Firmen an, die bereits massiv mit Umsatzrückgängen zu kämpfen haben. Wie viel Zeit bleibt den übrig gebliebenen deutschen Pianoforteverfertigern noch, um die Innovation als strategische Flucht nach vorne zu entdecken?

Nov 3 / 6:40pm

Wie kam ich zum Klavier spielen – und was hat mir das Musizieren gebracht?

Mein Name ist Matthias Meiners. Als Gründer der Klavierstimmerei Praeludio betreibe ich diesen Weblog, um den Austausch mit Klavierspielern zu intensivieren. Dabei ist meiner Ansicht nach die Frage von besonderem Interesse, wie der einzelne zum Klavier spielen kam und was einem das Musizieren bislang an Erfahrungen gebracht hat. Um den Dialog über dieses Thema zu eröffnen, beginne ich damit, diese Fragen aus meiner Sicht und mit meinen Erfahrungen zu beantworten:

Zum Klavier spielen kam ich fremdbestimmt. Zwar war mein Elternhaus eng mit dem kulturellen Leben in meiner Heimatstadt verbunden und bei uns stand auch schon ein Cembalo im Wohnzimmer, bevor ich mit dem Klavier spielen begann. Aber der Grund für meinen Klavierunterricht hatte einfach damit zu tun, dass ich auf ein Musisches Gymnasium kam und Klavier als Pflichtinstrument gewählt hatte.

Damit war genau genommen schon ein negative Entwicklung vorgezeichnet. Denn anstelle das Musizieren als freudvolles und kreatives Schaffen kennen zu lernen, war für mich das Klavier spielen Pflicht. Dass Musik eine ganze Reihe wichtiger Funktionen für den Menschen haben kann, erlebte ich dann zuerst bei mir selbst. Viel später erst entdeckte ich die Pädagogik von Heinrich Jacoby, der hierzu wegweisende und wie ich meine heute mehr denn je aktuelle Hinweise formuliert hat. Ganz besonders beeindruckend sind die Gedanken Jacobys zur „Nachentfaltung der Erwachsenen“. Literatur:

  • Unmusikalisch? Die Musikpädagogik von Heinrich Jacoby. Musikedition Nepomuk. Autor: Walter Biedermann;
  • Entfaltung statt Erziehung. Die Pädagogik Heinrich Jacobys. Arbor Verlag. Autor: Walter Biedermann;
  • Jenseits von 'Begabt' und 'Unbegabt': Zweckmäßige Fragestellung und zweckmäßiges Verhalten – Schlüssel für die Entfaltung des Menschen – Kursdokumente; Verlag: Christians; Autor: Heinrich Jacoby; Herausgeber: Sophie Ludwig;

In meiner Jugend wurde die Popmusik wichtiger als die Klassische Musik und damit verbunden suchte ich mir mit der Gitarre ein zu der zeitgemäßen Musik passendes Instrument aus. Damit komponierte ich nicht nur meine eigenen Songs, sondern sammelte erste Erfahrungen im Selbstlernen.

Dass ich später Cembalo- und Klavierbau gelernt habe, hatte ursprünglich etwas mit dieser selbst gewählten und selbstbestimmten Nähe zur Musik zu tun. Aber meine Liebe zum Klavier, meine Begeisterung für die fantastischen Möglichkeiten dieses großartigen Instruments wurde erst viel später geweckt.

Auf meinem Weg zurück zum Klavierspiel motivierte mich eine Aussage von Vera F. Birkenihl am Rande eines ihrer Vorträge. Sie berichtete, dass es mittlerweile Keyboards mit der so genannten Leuchttastenschule gibt, die Autodidakten neue Möglichkeiten eröffnen würde, um sich das Klavier spielen selbst zu erarbeiten. Vom Programmierten Lernen hatte ich schon früher in Verbindung mit meinem Engagement im Sport gehört und gelesen. Nun interessierte mich, ob diese Methode funktioniert. Also kaufte ich mir so ein Keyboard und erweiterte damit meine kleines Repertoire. Nun weiß ich: Die Methode funktioniert – vor allem um Einsteigern sowie Wiedereinsteigern den Zugang zum Musizieren zu erleichtern.

Im Rahmen der Stimmung für ein Klavierkonzert lernte ich ungefähr 2007 die Konzertpianistin Henriette Gärtner kennen. Sie lud mich zu ihren Konzerten ein. Dieses intensive Erlebnis mit der klassischen Musik sowie einige kurze Gespräche mit ihr motivierten mich, die Spuren der Musik in meinem Unterbewusstsein neu zu entdecken. Frau Birkenbihl würde sagen: Zu ent-deckel-n. Denn tatsächlich war es so, dass ich anfing den obersten Deckel meines Unterbewusstseins anzuheben, und nach und nach kamen überraschend viele Einsichten und Assoziationen zu Tage. In dieser Zeit entstand die Homepage www.klavierspiel.info, die ich bislang nur geringfügig aktualisiert habe.

Als Cembalo- und Klavierbauer konzentrierte ich mich bereits frühzeitig auf den Kundendienst, dessen Kerngeschäft das Stimmen ist. An die Stimmung anschließend spiele ich das Klavier zur Probe. Dabei bekomme ich von meinen Kunden häufig die Rückmeldung, dass ich meine Stücke sehr gefühlvoll spiele. Selbstkritisch habe ich diese Hinweise lange Zeit überhört. Denn bei meiner ganz eigenen Entwicklung als Klavierspieler können derart hochwertige Aussagen doch kaum zutreffend sein. Schließlich begann ich die positive Bewertung meiner Kunden anzunehmen und ich fragte mich, wie es denn möglich sein kann, dass ich mit einem lediglich kleinen Repertoire sowie genau genommen ohne große Übung gefühlvoll Klavier spielen kann. Denn meine „Übung“ bestand ja lediglich darin, dass ich einzelne Stücke nach dem Stimmen vorspielte.

Wenn meine Kunden nach der Klavierstimmung spielen, sind mir immer wieder gefühlvolle Klavierspieler begegnet. Im Gespräch erfuhr ich, dass es sich häufig um Selbstlerner handelt. Das überraschte mich, denn das gefühlvolle Klavierspiel erwartete ich ja wie bereits erwähnt erst am Ende eines langen und intensiven Übungsprozesses. Nun lernte ich also weitere Menschen kennen, die von Anfang musiziert haben, um ihre Gefühle auszudrücken, und daher auch schon frühzeitig diese hohe Kunst umsetzen konnten.

Vor allem um nach langer Verweigerung gegenüber klassischen Konzerten die Leistungen der Konzertpianistin Henriette Gärtner besser einschätzen zu können, nahm ich schließlich die Profis unter die Lupe. Bei den Konzerten sowie den CDs von Frau Gärtner fiel mir nämlich auf, dass mich ihr Klavierspiel zu einem intensiven Selbstgespräch animiert. Diese Erfahrung machte ich eher selten, wenn ich anderen Pianisten zuhörte. Über das Vergleichen kam ich zu der Einsicht, dass ein ausdrucksstarkes da gefühlvolles Klavierspiel kein Automatismus ist, der sich am Ende einer methodischen Übungsreihe mit technischen Inhalten zwangsläufig einstellt. Offensichtlich handelt es sich hier tatsächlich um die Befähigung, bei bereits vorhandenen Kompositionen die Botschaften zwischen den Zeilen lesen und musikalisch interpretieren bzw. die eigenen Empfindungen ähnlich einer sprachlichen Strukturierung musikalisch ausdrücken zu können. Dabei ist der Vergleich zwischen Sprache und Musik aufschlussreich. Denn wenn ich sprachlich etwas derart ausdrücke, dass mein Vortrag die Zuhörer fasziniert, dann nutze ich dabei genau genommen musikalische Elemente:

  • Sprach-Melodie,
  • Sprach-Rhythmus,
  • sprachliche Be-Ton-ung sowie
  • die Dynamik der Rede.
Nov 1 / 12:24pm

Welche positiven Wirkungen hat das Klavier spielen für Sie?

Welchen Nutzen bringt Ihnen das Klavier spielen? Welche positiven Wirkungen hat das Musizieren für Sie?

Mein Name ist Matthias Meiners und ich bin der Gründer der überregionalen Klavierstimmerei Praeludio. Als Cembalo- und Klavierbauer konzentrierte ich mich bereits frühzeitig auf den Kundendienst. Gerne nutze ich dabei die zahlreichen Gelegenheiten, mich mit Klavierspielern intensiv auszutauschen. Einer der Nebeneffekte meiner Kundengespräche besteht darin, dass ich dem einzelnen Musiker die Rückmeldung geben kann, dass es zahlreiche weitere Tastenspieler gibt, die ähnlich empfinden. Daher will ich einen Blog starten, indem sich Klavierspieler mit mir über die positiven Aspekte des Klavierspiels austauschen können. Denn über diese Möglichkeiten des Web 2.0 erreiche ich auch Freunde der Klaviermusik außerhalb meines Einzugsbereichs.

Sie spielen Klavier. Warum spielen Sie Klavier? Das Musizieren hat für Sie einen Nutzen. Die Musik bringt Ihnen einen ganz persönlichen Gewinn. Hier können Sie Ihre Sicht des Klavierspiels beschreiben.

Sie können Ihren Kommentar auch ohne Anlegen eines Login-Kontos durchführen (siehe unten nach dem Blog). Legen Sie los!

Jul 12 / 9:30pm

Klavier spielen

Klavier spielen ist eine wunderbare Angelegenheit! Häufig höre ich von Menschen mittleren Alters, dass sie glauben, das Klavier spielen verpasst zu haben, wenn sie es nicht schon als Kind lernen konnten. Offensichtlich ist es in der Breite noch nicht angekommen, dass lebenslanges Lernen auch das Klavier spielen lernen einschließt!

Klavier spielen bietet eine Vielzahl von wichtigen Funktionen. Denn die Musik ist die Sprache der Gefühle. Beim Musizieren geht also darum, die eigenen Gefühle ausdrücken zu können, um sich über diesen inneren Dialog harmonisieren zu können. Das heißt, das Musizieren hat sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts von der elitären Kunstform zu einem Massenphänomen entwickelt, da es die Menschen für sich als eine wirkungsvolle Maßnahme gegen den zunehmenden Stress entdeckt haben. Damals wie heute ist die Sehnsucht nach Wohlbefinden als Voraussetzung für Gesundheit der wesentliche Antreiber für das Musizieren.

Und es geht beim Klavier spielen um Persönlichkeitsentwicklung. Daher ist es von wesentlicher Bedeutung, wenn uns die Musikindustrie heute den passiven Genuss jeder musikalischen Stilrichtung ermöglicht. Das passive Hören von Musik betrifft aber lediglich unser Stimmungsmanagement. Das heißt, unsere Stimmung verändert sich entsprechend der gehörten Musik. Das große Potenzial der Musik liegt jedoch beim aktiven Musizieren! Denn es beinhaltet die Ebene der körperlichen Tätigkeit, die für unsere eigene Entwicklung elementar ist. Erst die Verbindung von körperlicher Tätigkeit mit den Möglichkeiten des menschlichen Geistes, macht die Musik für uns wertvoll, da sie mit einer Vielzahl an Inhalten verbunden werden kann:

  • Dies sind zum einen das Lernen sowie das Speichern von Gedächtnisinhalten. Staunen Sie nicht auch immer wieder in einem Klavierkonzert über die gigantischen Leistungen der Pianistinnen und Pianisten, umfangreiche Kompositionen unter dem Druck der Live-Performance auswendig in Perfektion zu präsentieren?
  • Es ist zum anderen die Dimension der Musik als der Sprache unserer Gefühle und die damit verbundene Harmonisierung.
  • Schließlich integriert das Klavier spielen die Gelegenheit zur Interaktion mit unserer eigenen Kultur, die uns vor allem eine emotionale Bodenhaftung gibt. Das Klavier, die Klaviermusik und somit das Klavier spielen haben sich über mehrere Generationen entwickelt, deren Wurzeln in unserem zentraleuropäischen Kulturraum liegen.


Klavier spielen bietet den Menschen in jedem Alter reizvolle Herausforderungen. Denn das Thema LERNEN bleibt eben lebenslang ein wichtiges Thema. Und auch beim Lernen spielen die Gefühle eine zentrale Rolle. Denn zum einen werden die Lerninhalte mit einem Gefühl verbunden und erst durch diese Kombination speicherbar. Zum anderen werden Routinen und somit automatisierte Bewegungen genau dort dauerhaft gespeichert, wo die Hirnforscher den Sitz unserer Gefühle geortet haben. Wenn ich über die Musik dazu motiviert bin, mich mit dem Lernen erfolgreich zu beschäftigen, dann gelingt mir nachfolgend der Transfer von der Musik in andere Lebensbereiche. Hier bekommen die Klavierlehrer in Ihrer Rolle als Pädagogen sowie in ihrer zeitgemäßen Ausrichtung als Pianocoaches eine wichtige Funktion.

Das Klavier als Musikinstrument und somit als Werkzeug, um damit die eigenen Gefühle in einer möglichst großen Bandbreite ausdrücken zu können, hat sich über 300 Jahre entwickelt. Die geniale Idee bestand darin, das Spiel eines Hackbrettspielers über die Hammermechanik nachzubilden sowie mit dem sensiblen Bedienfeld der Klaviatur nicht nur für zwei Hände sondern für die weitaus geschickteren 10 Finger zugänglich zu machen. SENSIBEL ist die Klaviatur deswegen, da sie am Klavier heute aus 88 Tasten besteht. Der Begriff TASTE stammt von dem italienischen Wort TASTO und bedeutet ins Deutsche übersetzt: Das Werkzeug zum Tasten! Als es dann über 100 Jahre nach dieser Erfindung technisch möglich wurde, Filz über die Holzkerne der Klavierhämmer zu spannen, hatten zahlreiche Cembalo- und Klavierbauer ein Instrument entwickelt, an dem man nicht nur seine Gefühle von piano bis forte ausdrücken konnte, sondern bei dessen Wohlklang man sich wunderbar entspannen und wohlfühlen kann! Daher bewerten Klavierspieler die Qualität eines Pianos mit den Kriterien ihrer Gefühlsebene. Diese betreffen

Nur wenn diese 3 Kriterien entsprechend der Erwartungshaltung der Klavierspieler stimmig sind, kann das Piano seine Funktion als Gefühlsausdruckswerkzeug im Rahmen der Selbstharmonisierung erfüllen.